Sport

Tag 2 in Wagrain: Druck am Kessel steigt

Die erste Nacht in der Pension Oberwimm in Wagrain verlief nicht so spektakulär wie erwartet: Bis auf verschwundene Schüler, die sich wie im chinesischen Nationalzirkus in kleine Kästchen zwängten, mysteriöse Gesichtsmasken, eindeutig zuordenbare Geruchsaromen in Burschenzimmern bei geschlossenen Fenstern und kurierte Heimweh-Kinder verlief die Nacht eigentlich ziemlich ruhig. Das letzte Mal, dass ein Lehrer ein Zimmer stürmen musste (der Schüler sprang per Fosbury-Flop ins obere Stockbett und schaltete währenddessen die Nachttischlampe ab; erstmals macht sich das Hochspringen im Sportunterricht im Privatleben bezahlt), war noch vor Mitternacht. Blöd, dass sich jene Lehrer, die für die Nachtschicht vorgesehen waren, mit 1500 ml Kaffee auf eine harte Nacht vorbereitet hatten und nun mit weit aufgerissenen Augen in ihren Betten lagen. Beim Frühstück saßen alle frisch gewaschen und halb gerädert im Speisesaal, um sich für die geplanten Anstrengungen zu wappnen. Zwei Gruppen packten sich ein Lunchpaket, denn sie flogen mit dem G-Link auf den Grafenberg und blieben dort den ganzen Tag. Im Tagesprogramm inklusive: Fun-Slopes, spektakuläre Sprünge und die eine oder andere Brez´n, die folgenlos blieb. Dazu eine Kaspressknödel-Suppe um 8,50€, serviert im 1,5-Liter-Topf, die Hauptspeise konnte getrost abbestellt werden. Die Kids gaben sich die volle Dröhnung. Die anderen Gruppen blieben am Montag in sicherer Nähe und erlebten am eigenen Leib, wie sich die Schneekonsistenz innerhalb von wenigen Höhenmetern unangenehm verändern kann. Leidtragender war unter anderem Herr FL Blazanovic, der von einer anonym bleiben wollenden Schülerin von hinten „angefahren“ wurde und nach der Kontrolle, ob der Meniskus noch dort war, wo er hingehörte, von einer vorbeifahrenden Passantin mit einer gelben Karte wegen einer handelsüblichen Schwalbe verwarnt wurde. Zu Mittag gab es Leberkäse mit Püree und Spinat. Das ist wichtig, vor allem für die Gedächtnisleistung, sonst würde ein Fachlehrer in der Mittagspause nicht dreimal gestört werden, weil die Jugendlichen den Treffpunkt am Nachmittag nicht mehr wussten. Die Skigruppen hatten ihre Lektion für den Nachmittag gelernt und fuhren in der Folge nur mehr über 1775m Ski, darunter wurden die Ski getragen. Die zweite Lektion für den Nachmittag war die Apres-Ski-Lektion auf der Hütte „Ansitz“. Statt Schnitzel um 17,50€ gab es Germknödel und eine heiße Schoko. Auf die Frage des Kellners, ob er den Schülern einen Schuss Rum hinzufügen dürfte, erntete er grimmige Blicke der Fachlehrer Worgatsch und Graf. Zurecht, denn wo kommen wir denn da hin? Genauer gesagt kommen wir zum Abendessen, bei dem Hühnergeschnetzeltes mit Reis und Gemüse kredenzt wurde. Bei der anschließenden Besprechung im Turnsaal folgte die Beglückwünschung (gibt´s das Wort überhaupt?) unseres ersten Geburtstagskindes in dieser Woche. Eine Torte durfte nicht fehlen. Nicht fehlen durfte auch das Abendprogramm: Volleyball, Brettspiele, Insta-Videos (von Frau FL Sendlhofer in NÖ in Auftrag gegeben) und gemütliches Chillen. Mit jeder Minute konnte man an den Farben der Augenringe erkennen, wie müde manche SchülerInnen langsam wurden. Für die anstehende Nacht könnte sich das noch als sehr wichtig erweisen. Wenn die SchülerInnen wüssten, dass wir morgen Dienstag punkto Skifahren noch einen drauflegen werden, wären sie schon um 8 im Bett. Während Herr FL Worgatsch gerade seine Oberschenkel und Waden mit einer kühlenden Salbe bearbeitet, wünscht das gesamte Lehrerteam eine gute Nacht aus Wagrain. Wir lesen uns morgen wieder!  

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*

X