Das Wecken am Dienstag, dem dritten Tag, gestaltete sich doch einigermaßen kompliziert. Das Standardprogramm: „Guten Morgen, Guten Morgen“ von Nana Mouskouri, Licht aufdrehen, Jalousien runterlassen. 80 Prozent reagierten am Dienstag nicht. Nächstes Level: An den Schülern rütteln, Decke runterziehen. Noch immer mindestens die Hälfte regungslos. Weil auf die Elektroschocker dummerweise vergessen wurde, wurde letzten Endes die „Guten Morgen-Kuss“-Karte von den anwesenden Lehrern ausgespielt. Das lässt den härtesten Jugendlichen aus den Federn springen. Die Lautstärke beim Frühstück war auch schon mal höher. Die Gruppen Sahlenegger/Samwald trafen kurz vor 8.30 Uhr überpünktlich am Lift ein, nachdem noch an einer Bindung gefeilt wurde und ein Holländer FL Andi Samwald mit Schmackes über die Skier fuhr, wurde die Gondel in Bewegung gebracht. Nach nur dreizehn Sekunden der Not-Stopp: Ein Schüler hatte die Handschuhe ausgezogen, der Duft strömte in die Kabine, sodass sogar die Gondel-Durchsage von Hermann Maier kurz stockte. Das Ziel Zauchensee wurde dennoch bald erreicht. Der Weltcup-Start der Frauen wurde besichtigt. Die Mittagspause wurde auf der Rosskopfhütte verbracht, unglücklicherweise sollte ein Schüler sein Handy dort verlieren, mehr dazu später. Am Ende des Tages standen 47,7 gefahrene Pistenkilometer, 9500 Höhenmeter und eine Spitzengeschwindigkeit von 82km/h zu Buche. Die beiden Gruppen Fischöder und Schön besuchten am Vormittag die Rote 8 (also die Piste, nicht das rotleuchtende Etablissement im Ort), am Nachmittag kurvte man am Grafenberg herum. Das Fazit: Einmal vier Kinder verloren, wieder gefunden, Einmal ein Kind verloren, wieder gefunden. Einmal zwei Schüler zu viel in der Gruppe, entlang der Piste ausgesetzt. Die andere Bilanz: 29,9 Pistenkilometer (genauso wie gestern übrigens, Maßarbeit). Die Gruppen Worgatsch/Graf rissen gleich zweimal die schwierige Flying-Mozart ab, danach ging´s nach Flachau. Spitzentempo 52,4km/h, Pistenkilometer 25,4, ein blauer Daumen, ein lädiertes Knie. Beide Schüler waren tapfer und beichteten ihre Verletzungen erst im Quartier. Bleibt noch die Gruppe Blazanovic, die sowohl am Vormittag (zu Mittag gab´s in der Pension Oberwimm köstliche Schinkenfleckerl) als auch am Nachmittag mit der G-Link-Gondel auf den Grafenberg sauste und dort knappe 25 Kilometer bewältigte. Der Tipp des Tages: Tragt beim Tragen der Skier in der Mittagshitze trotzdem ordentliche Handschuhe, sonst kann man sich an den Kanten schneiden und hinterlässt dann beim Heben von gestürzten Damen dicke Blutflecken an den teuren Skianoraks. Noch vor dem Abendessen ging im Quartier das Gerücht um, dass ein Schüler ein Smartphone unterwegs verloren hätte. Ein Mitschüler wählte die Nummer, vergeblich. „Jetzt krieg ich endlich ein neues i-Phone“: Kaum war der Gedanke in Worte gefasst, hob beim 11. Versuch endlich jemand ab. Das Handy wurde in Zauchensee von einem aufmerksamen Herren gesichert, Herr FL Samwald wird morgen die Mittagspause spritzen und das Handy wieder seinem Besitzer bringen. Das neue i-Phone wird wohl noch warten müssen. Abend gegessen wurde am Dienstag ausnahmsweise schon um 17.00 Uhr, es gab eine Suppe und dann Wiener Schnitzel mit Kartoffeln. Der Grund für die frühe Mahlzeit: Der Abmarsch um 18.00 Uhr in die Wasserwelt Wagrain. 70 Kinder verbrachten zwei Stunden im warmen Wasser, die Lehrer patroullierten entlang der Becken. Das Wasser zu verlassen war nicht erlaubt. „Die müssen doch irgendwann müde werden“: Kaum war der Gedanke eines Lehrers in Worte gefasst, mussten die Mädls notgedrungen raus. Lange und schöne Haare wollen halt gefönt werden. Ein Mädl zwickte sich eine halbnasse Strähne in der Winterjacke ein, im Quartier hieß es dann schnipp-schnapp, Haare ab. Beim letzten Rundgang fand Kursleiterin Lisa Schön verlassene weiße Badeschlapfen mit der Aufschrift „Döner Kebap“ vor. Komischerweise traute sich niemand, die Geräte als sein Eigentum zu bezeichnen. Im Quartier angekommen wurde nachgefönt, die Pyjamas aktiviert und die Handys abgegeben. Bei den meisten fielen die Augen von allein zu. Den Rest kriegen wir morgen auch noch klein. Die Hälfte ist somit vorbei. Morgen werden wieder Pistenkilometer gefressen, Highlight am Abend: Disko, Disko! Das könnte spannend werden…
Tag 3 in Wagrain: Brennende Oberschenkel


